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Erboste Passagiere und entnervte Zugbegleiter

Seit zwei Wochen setzen die SBB für die Strecke Zürich–Chur Ersatzzüge ein. Folge: Erboste Passagiere, entnervte Zugbegleiter. Und die Erklärungen der SBB dienen nicht eben zu deren Stimmungsaufhellung.

Pierina
Hassler
Mittwoch, 11. Oktober 2017, 04:30 Uhr Strecke Zürich–Chur
Eine Türe von einem SBB-Zug in Chur.
OLIVIA ITEM

Ein Blick auf die Anzeigetafel im Zürcher Hauptbahnhof und die Laune des Pendlers Marko Meier sinkt auf unter null. «Ich fahre jeden Morgen mit dem 7.07-Uhr-Zug Richtung Chur», sagt er. «Seit Wochen steht auf der Anzeigetafel ‘Ersatzzug’ und ich weiss, was mich erwartet.»

Spurtstark und unbequem

Meier und die andere Passagiere kritisieren vor allem den Einsatz von S-Bahnen. Sie sprechen von fehlendem Komfort. Die S-Bahn-Kompositionen seien für Kurz- und nicht für längere Strecken gedacht. Es gebe weder Speisewagen noch Strom um die Handys aufzuladen. Und die 1. Klasse-Abteile seien ein Hohn.

Die Südostschweiz hat bei den SBB nachgefragt und unter anderem diese Fragen gestellt:

Weshalb ist der 7.07 Uhr Zug Gleis 5, von Zürich Richtung Chur seit Wochen ein Ersatzzug, respektive eine S-Bahn?

Antwort SBB: Wie Ihnen vielleicht entgangen ist, hatte der wochenlange Streckenunterbruch im deutschen Rastatt auch Auswirkungen auf die Personenzüge in der Schweiz. Wir übernehmen Fahrplanleistungen auch auf dem Schweizer Eisenbahnnetz. Fallen ICEs aus, muss sie die SBB in der Schweiz Rollmaterial ersetzen.

Kommen ICEs (Weiterfahrt nach Chur oder Interlaken) mehr als 15 bis 20 Minuten zu spät in Basel SBB an, werden sie rechtzeitig durch SBB-Ersatzrollmaterial geführt. Das kann auch eine Art Dominostein-Effekt bei den so genannten Umläufen (anders gesagt die tägliche Reiseroute der Züge) bewirken. Wie zum Beispiel hier:

Heute Morgen blieb der ICN Bern-Zürich Flughafen in Zollikofen (BE) mit einem Defekt stehen. Dieser Zug musste mit einer Ersatzkomposition weitergeführt werden. Denn der Umlauf für diesen Zug sah vor: Bern–Zürich Flughafen, Zürich Flughafen–Zürich HB, Zürich HB-Chur (7.07 Uhr ab HB ZH).

Weshalb bekommen eure Kunden die vorgängig im Speisewagen reserviert hatten, nicht mit, dass dieser Zug keinen Speisewagen hat?

Keine Antwort

Weshalb wissen die Zugbegleiter von nichts? Weshalb werden sie nicht informiert, sodass sie euren Kunden eine verbindliche Information geben könnten?

Keine Antwort

Weshalb ist der Ersatzzug in eurer App nicht notiert? Immerhin könnten dann ein paar eurer Kunden einen anderen Zug nehmen.

Keine Antwort

In einer S-Bahn gibt es keinen Strom. Eine einzige Toilette. 1-Klass-GA-Kunden sitzen über eine Stunde in einem mickrigen S-Bahn-Zug? Finden die SBB es nicht für nötig, eine Erklärung abzugeben?

Keine Antwort

Setzen die SBB Ersatzzüge einfach auf diejenigen Strecken ein, bei denen sie am wenigsten verdienen?

Keine Antwort

Die SBB hoffen zum Schluss noch darauf «das man versteht wie fein das Räderwerk der Schweizerische Zugverkehrs ineinander greift und wie sich Zugstörungen, Personenunfälle oder Stellwerkstörungen in einem Bereich des über 3000 Kilometer messenden SBB-Netzes sich in einem anderen Landesteil auswirken können – auch erst Stunden später.»

Die restlichen Fragen zu den Ersatzzügen, respektive zur Kritik ihrer Kunden an den S-Bahn-Kompositionen können die SBB «schlicht nicht nachvollziehbar» oder betitelt Aussagen wie «unzumutbare Ersatzzüge» als falsch.

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Kommentare

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Na ja, das Problem mit den WCs besteht ja auch auf allen anderen Zügen. Bloss wären sie dort zumindest physisch vorhanden --- aber gerne ausser Betrieb. Was für dahin gehend chronische Patienten nicht immer einfach ist...

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