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Leserbrief

Umnbau Visitor Center Rapperswil / Bürgerversammlung vom 7.6.2018

Veit Späth,
14. Mai 2018, 22:42:20

Mit wachsendem Wohlstand im 19. Jahrhundert hatten die Leute plötzlich Freizeit. Gleichzeitig brauchte man die mittelalterlichen Stadtmauern nicht mehr. Man schleifte sie und auf diesen Flächen entstanden Pärke, Plätze und Boulevards, auf denen die Leute ihre neu gewonnene Freizeit verbringen konnten. So wurde in Rapperswil der alte Hafen zugeschüttet, es entstand mit dem Fischmarktplatz ein Ort des Flanierens mit einem Podest, in dem Feld- und Stadtorchester auftreten konnten, der damaligen Pergola. An diesem Ort haben wir heute eine überdimensionierte Tiefgarageneinfahrt, ein ästhetisches Ungeheuer. Dieses soll nun aufgemotzt werden, notabene durch dieselben Architekten, die die damalige Baute zu verantworten haben. Und um den Beton zu kaschieren, hängt man goldig glänzendes Blech davor und nimmt den Fischmarktplatz mit einer Rampe noch mehr in Beschlag. Bereits jetzt haben wir in unmittelbarer Nähe der Altstadt eine Blechhalle, die einem Industriegebiet alle Ehre antut: Der renovierte Sonnenhof. Nun soll am Stadteingang vom Damm her eine ähnlich sterile Industriehalle entstehen. Ein Ort wie dieser verdient eine Architektur, die der Bedeutung als Pforte zur Stadt Rechnung trägt. Aber keine Banalität, die mit einer Karo-förmigen Blechfassade dem Zirkus-Harlekin Referenz erweisen will. Wie wäre da die Analogie? Kirchen werden mit kreuzförmigen Fassadenelementen versehen? Nein, Kirchen verweisen mit Haupt- und Querschiff auf das Kreuz durch ihren Grundriss.
Dieser wichtige Ort an der Peripherie der Altstadt verdient architektonisch etwas Besseres. Gute Architektur kann nicht aus einer per äxgüsi erweiterten Renovation entstehen, sondern sollte in einem Wettbewerb mit einer kompetenten Jury ermittelt werden. Ich hoffe, die teure Blechbüchse wird an der Gemeindeversammlung abgelehnt.

Zum Artikel: Südostschweiz / Ausgabe Gaster und See– 27. April 2018

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