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Der doppelte Kaspar

Die Regierungs- und Parlamentswahlen in Graubünden liefern hüben wie drüben Gesprächsstoff. Deutlich mehr Bewerber als Sitze stehen zur Verfügung. Und sie alle vertreten die Ideologie einer Partei. Das heisst, fast alle.

Philipp
Wyss
Donnerstag, 17. Mai 2018, 04:30 Uhr Grossratswahlen Graubünden
Kaspar Schuler kandidiert doppelt für den Grossen Rat.

Eine Ausnahme im aktuellen Wahlkampf bildet Kaspar Schuler. Der 60-Jährige aus Malans kandidiert im Kreis Maienfeld für die SP und für die Grünen. Richtig, der vierfache Familienvater kandidiert für zwei Parteien. Und das geht, wie Walter Frizzoni, Stellvertreter der Standeskanzlei Graubünden, auf Anfrage bestätigte.

Für die «Doppelkandidatur hat der bis vor eineinhalb Jahren parteilose Schuler eine Erklärung: «Im Dezember 2016 überraschte mich die Grüne Partei Schweiz mit der Ehrenmitgliedschaft. Dies, weil ich mich jahrelang für den Atomausstieg eingesetzt habe.» Und so wurde aus dem parteilosen Inhaber der «möglich-machen GmbH» ein Parteimitglied.

Schuler national wird Schuler kantonal

Schuler leitete 2016 den nationalen Abstimmungskampf zum Atomausstieg, der damals mit 46 Prozent aller Stimmen zwar abgelehnt wurde «aber wahrscheinlich die Energiewende einläutete», wie Schuler glaubt.

Neu leitet Schuler, früherer Geschäftsleiter und bisheriger Bereichsleiter Klima und Energie bei Greenpeace Schweiz, die operativen Geschicke der Allianz Atomausstieg. Der Kaufmann und Journalist führte in den 1980er-Jahren neben publizistischer Arbeit den Bündner Umweltdachverband, war Mitinitiant der Alpeninitiative und Vizepräsident des WWF Schweiz, bevor er 2001 bei Greenpeace Schweiz die Geschäftsleitung übernahm. Mit Schuler gewinnt die Allianz Atomausstieg einen Kommunikator, der ihre Kernanliegen vorantreiben und der Allianz ein Gesicht geben wird. Im Juni wird Schuler die Leitung der Geschäftsstelle von Cipra International in Schaan übernehmen.

«In der Herrschaft kenn man mich»

Doch schon Jahre zuvor setzte sich Schuler immer wieder für die Interessen der Bündner SP ein. «Aus Realismus arbeitete ich mit und für die SP», sagt Schuler heute. Und als 2016 die Idee in ihm reifte, sich für den Grossen Rat zur Verfügung zu stellen, wollte er dies für die Sozialdemokraten tun. Doch dem stand die Ehrenmitgliedschaft bei den Grünen im Weg. Denn die Bündner SP schliesst eine doppelte Parteizugehörigkeit aus.

Dennoch kandidiert der doppelte Kaspar nun auf den Websites für die Grünen und die SP für den Grossen Rat. «In Graubünden kann man das. Linke und Grüne sind in der Minderheit. Entsprechend problemlos ist das darum möglich», so Schuler. Das Ganze sei zwar ungewohnt, aber alle seien entspannt. Reaktionen gab es lediglich von Smartvote und «suedostschweiz.ch». «In der Herrschaft kenn man mich, oder man kennt mich nicht. Vielleicht ist das ein Vorteil der Majorzwahl.»

SP-Fraktion

Das sieht auch die SP-Sektion Fünf Dörfer so. Sie sieht in Schuler einen ausgewiesenen Kandidaten, so SP-Präsident Philipp Wilhelm.

Schuler sieht sich als grünes Ehrenmitglied, unterstützt von der SP Graubünden. Er selbst sagt: «Der Schuler ist Grüner, die SP unterstützt Schuler.» Nominiert wurde Schuler von der Und dann fügt er noch an: «Für die Wähler ist noch wichtig zu wissen: Bei einer allfälligen Wahl würde ich in die SP-Fraktion eintreten.»

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